Adipositas – Pflichten des Arbeitnehmers zum Erhalt der Arbeitsfähigkeit

Ob eine Kündigung wegen Adipositas rechtmäßig sein kann, bleibt vorerst ungeklärt. Der zeitweise 200 kg schwere Kläger und sein Arbeitgeber einigten sich auf einen Vergleich. Der Arbeitnehmer darf weiterarbeiten. Ein vor kurzem noch etwa 200 Kilogramm schwerer Mitarbeiter hat vor dem Landesarbeitsgericht Düsseldorf seine Kündigung wegen Fettleibigkeit mittels eines Vergleichs abwenden können. Im Vergleich vereinbarten die Parteien, dass sich der Mann bemühen muss, abzunehmen und die Firma regelmäßig über sein Gewicht informieren (Beschl. v. 27.07.2016, Az. 7 Sa 120/16).

Der Garten- und Kanalbaubetrieb hatte argumentiert, der Beschäftigte könne seine Arbeit wegen seiner Körperfülle nicht mehr ausüben. Weder gebe es passende Warnwesten noch Arbeitsschuhe oder Leitern im Betrieb, die für ein solches Gewicht zugelassen seien.

Am Pritschenwagen sei bereits eine Fußraste unter dem Gewicht des Beschäftigten abgebrochen. Der Mann passe auch nicht mehr in die Gräben, die er ausheben müsse. Und wenn er doch drin sei, komme er allein nicht mehr heraus. Am Steuer des Firmenwagens sei er eine Gefahr, weil das Lenkrad an seinem Körper hängenbleibe. Er könne nur noch als Handlanger eingesetzt werden. „Vor allem das Bücken ist bei ihm ein Problem." 

Vor der Kündigung hatte der Mann erfolglos versucht, Gewicht zu verlieren. Die Mediziner hätten mitgeteilt, eine Operation sei nötig. Nach 30 Jahren im Betrieb hatte der Arbeitgeber dem 49-Jährigen schließlich gekündigt. Der 1,94 Meter große Arbeiter hatte argumentiert, er könne die geforderten Arbeiten in dem Gartenbaubetrieb leisten. In erster Instanz bestätigte das Arbeitsgericht Düsseldorf die Kündigung.

Nun konnte diese durch Vergleich doch noch abgewendet werden. Der Mann darf im Betrieb weiterarbeiten. Das Landesarbeitsgericht wies darauf hin, dass viel von der Zukunftsprognose abhänge. Sei diese negativ, sei dem Unternehmen kaum zuzumuten, den Mann noch 18 Jahre bis zur Rente zu beschäftigen, da eine dauerhafte Erkrankung letztlich ein Problem des Arbeitnehmers ist. Notfalls müsse ein Gutachter klären, ob er eingesetzt werden könne. Eine Magenverkleinerung wolle das Gericht nicht vorschreiben. Inzwischen wiege der Mitarbeiter nur noch 188 Kilogramm, erklärte sein Anwalt. Dies würde den Willen zum Abnehmen dokumentieren.

 


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